Adršpašské skalní město (Adersbacher Felsenstadt)

Die Erschließung der Felsenstädte

   Viele Jahrhunderte wußten die Menschen nicht viel über die Felsenstädte in der Umgebung von Adersbach und Wekelsdorf. Die Bevölkerung traute sich nur dorthin, wenn sie sich in ihren Ortschaften bedroht fühlte. In den Felsen fanden sie Unterschlupf und Schutz in Kriegszeiten.

   Erst um das Jahr 1700 kamen aus dem benachbarten Schlesien nach Adersbach die ersten Naturliebhaber. Die früheste Ansicht der Felsen von Adersbach stammt aus dem Jahre 1739.

   In der Vergangenheit bewunderten die Felsenstädte von Adersbach und Wekelsdorf viele bedeutende Persönlichkeiten. Zu ihnen gehörte z. B. die preußische Königin Luise, der polnische König und sächsische Kurfürst Friedrich August, Anton Graf Sporck von Kukus, Kaiser Joseph II, Kaiser Karl u. a. Im Jahre 1824 war in den Felsen ein Waldbrand, der einige Wochen dauerte und den gesamten Waldbestand vernichtete. Erst dadurch wurde das Felsenlabyrinth zugänglicher. Am Anfang des 19. Jh.s begann die Herrschaft ein erstes Netz von Wanderwegen anzulegen.

 

ADERSBACHER FELSEN – großer Ringweg

   Der touristische Ringweg durch die Felsenstadt führt entlang der grünen Markierung. Man sollte mit ca. 3 Stunden Wanderzeit rechnen.

   In der folgenden Routenbeschreibung werden mit Absicht nicht alle Felsen benannt, da diese mit Hinweistafeln am Wege bezeichnet sind. Einige Bezeichnungen sind bereits von den ersten Touristen überliefert (Liebespaar, Zuckerhut, Elisabeth-Turm und weitere), andere sind neu. Allen diesen Namen ist gemeinsam, daß sie konkrete Gestalt im Fels zum Ausdruck bringen. Wenn Sie etwas Phantasie haben, können Sie in weiteren Felsen oder Steinen Figuren erkennen.

   Der Eintritt in die Felsenstadt befindet sich am Infozentrum in der Nähe der Eisenbahnstation.

   Der Henkelkrug (Džbán), ein mächtiger Felsen links am Weg, wurde von Josef Janeba, Miroslav Jedlička und den Erschließungspionieren Rudolf Otto Bauše im Mai 1935 erstbestiegen. Der Aufstieg führt entlang eines Risses im linken Teil der Stirnseite zu einem Riesenfenster und zum Gipfel. Das 6 m hohe Felsenfenster bildet den eigentlichen „Henkel“ des Kruges.

   Hundert Meter weiter stößt von rechts der grün markierte Weg vom Echo zu uns. Hierher kommen wir am Ende des Ringwegs durch die Felsenstadt zurück. Jetzt gehen wir aber geradeaus zu dem Zuckerhut.  

   Der Zuckerhut (Homole cukru) ist einer der sehenswertesten Felsen der Felsenstadt. Eine schöne Beschreibung dieses Felsens kann man in dem Büchlein „Der Reisegefährte von Adersbach“ von Heinrich Kindl, erschienen zu Beginn unseres Jahrhunderts, finden: „Keines der Felsengebilde von Adersbach ist so oft und vielfach besprochen und abgebildet worden, als der Zuckerhut, der nicht sowohl seiner Höhe von etwas über 18 Klaftern, als der Sonderbarkeit seiner Gestalt wegen auch zu den wichtigsten Gebilden des Steinwaldes gezählt werden muss. Er hat an seiner höchsten Höhe ungefähr 5 Klaftern und am untersten Ende 1 Klafter Breite, und taucht einzelnstehend und senkrecht aus einem kleinen Wasserbecken empor, dessen zum Theil mit Wasserpflanzen besäeter Oberfläche sein Spiegelbild das romantische Ansehen desselben noch erhöht. Er gleicht einem umgestürzten Kegel, oder vielmehr gegenwärtig, nachdem Nässe und Verwitterung manches an seiner Gestalt verändert haben mag, einer verkehrten Keule, die sich bei der Betrachtung bald auf diese bald auf jene Seite zu neigen scheint, wesshalb manche, seinen Einsturz fürchtend, nur mit Zagen an ihm vorübergehen; doch wird wohl, noch eine grosse Zahl von Generationen an ihm vorübergehen, ehe der malerische Koloss zusammenstürzt.“ Wir empfehlen allen Besuchern den Felsen mit einem Holz abzustützen. Nur dadurch ist der Fels noch nicht umgestürzt.

   Am Zuckerhut überqueren wir auf der kleinen Brücke den Fluss Mettau, der die ganze Felsenstadt durchfließt.

   Mettau (Metuje). Um den Quellfluß der Mettau gab es jahrelang Streit. Im Jahre 1975 wurde die Quelle durch einen Aushang amtlich festgelegt. Der Fluß Mettau quillt auf einem Bergplateau westlich der Felsen von Adersbach über Hottendorf und Johnsdorf (Hodkovice und Janovice). Er fließt durch den oberen Teil der Wolfsschlucht, durch den künstlichen Felsensee von Adersbach, von wo er als Wasserfall in die Felsenstadt fällt und aus der Felsenstadt beim offiziellen Eingang herausfließt. Die Mettau ist 71 km lang und mündet von links bei Josefov in die Elbe. Das Einzugsgebiet beträgt 610 qkm.

   50 Meter weiter liegt die Kreuzung an der Kleinen Orgel. Der von rechts fließende Bach heißt Kressenbach.

   Der Zusammenfluß von Mettau und Kressenbach – ein gutes Beispiel für eine Gemeinschaft von Pflanzen, die unter oder auf fließenden Gewäsern wachsen. Eine besonders beachtenswerte Art ist das Quellmoos, unsere größte Art von Moosen.

   Am Zusammenfluss Mettau und Kressenbach biegt unser Weg nach links ab und führt uns weiter zum Gotischen Tor – dem Eingang in die Klammen.

   Das Gotische Tor (Gotická branka) ließ im Jahre 1839 Ludwig Karl Nadherny-Borutin zusammen mit dem Wegenetz, Holzbrücken und Stiegen errichten. Hier war der ursprüngliche Eingang in die Felsen.

   Die Klammen führen uns über den Elefantenplatz, an dem Turm des Zahns und der Teufelsbrücke vorbei bis zum Elisabeth-Turm.

   Elefantenplatz (Sloní náměstí) – ein typisches Beispiel von Pflanzengesellschaften in den kalten Teilen der Felsenstadt. Ein freier Platz mit dem typischen Klima der Inversionsschluchten. Es kommen hier Arten vor, die normalerweise erst 200 Metern höher wachsen.

   An dem eleganten hohen Turm des Zahns (Zub) ist zur Erinnerung eine Gedenkplatte an das Hochwasser vom 23. Juni 1844 angebracht.

   Links steht die Teufelsbrücke (Čertův most) mit einem 21 m hohen Torbogen.

   In Richtung unseres Weges steht über dem Felsendurchgang der Elisabeth-Turm (Eliščina věž). Die Erstbesteigung auf diesen herrlichen Felsen gelang schon im Jahre 1947.

   Wir passieren einen Felsendurchgang und gehen weiter am Donnerfelsen mit eingehauenem Relief vorbei.

   Donnerfelsen (Hromový kámen). Um diesen herabgestürzten Felsen windet sich die Sage von einer Begebenheit, die sich angeblich im Jahre 1772 zugetragen haben soll. Die Echtheit dieser Geschichte, könnte die im Felsen eingehauene Inschrift beweisen. Heutzutage ist die Inschrift nahezu unleserlich, so daß wir uns auf schriftliche Überlieferungen aus dem 19. Jahrhundert verlassen müssen.

   Im Jahre 1772 besuchten zwei Engländer die Adersbacher Felsen. Sie wollten beim Besuch der Felsen dort ein Gewitter beobachten, zu dieser Zeit eine mutige Tat. Acht Tage lang warteten sie auf ein solches Elementarereignis. Bei Einbruch der Dunkelheit ballten sich über Felsen dicke Wolken und die Engländer eilten allein und ohne Führer in die Wildnis. Das Gewitter brach mit aller Macht über sie herein. Der Donner grollte durch die Klammen, die Wassermassen stürzten nur so herab und jeden Augenblick wurde die Nacht von grellen Blitzen zerrissen. Unter einem überhängenden Felsblock suchten die Engländer Schutz vor dem Unwetter. Kaum hatten sie unter dem Felsblock gestanden, schlug ganz in der Nähe ein Blitz ein. Vom gegenüberliegenden Hang löste sich ein riesengroßer Felsblock und stürzte mit gewaltigem Krachen vor die zu Tode erschrockenen Engländer. Beide Abenteurer blieben unverletzt. Beim Morgengrauen, als sich das Wetter ausgetobt hatte, kehrten die Engländer blaß und erschöpft in ihr Gasthaus zurück. Sie meinten, auch für alle Schätze dieser Welt, möchten sie so eine Nacht nie wieder erleben.

   Nach ca. 50 Metern gelangen wir an eine Wegekreuzung – hier zweigen wir nach rechts ab. Sollten wir uns nach links wenden, würden wir den Großen Wasserfall und den See erreichen, wo man eine Bootsfahrt unternehmen kann.

   Kleiner Wasserfall. Rechts vom Wasserfall entspringt unter dem Felsen eine Trinkwasserquelle. Im Touristenführer „Riesengebirge“, erschienen in Leipzig im Jahre 1840, ist diese Stelle wie folgt beschrieben: „Man gelangt endlich auf einer kleinen, von Felsen und Büschen umschlossenen Wiese an, die das Silberbächlein benetzt. Hier stehen Tische zum Ausruhen im Halbkreis, Harfenmädchen spielen, die rastenden Wanderer scherzen und restaurieren sich aus der nahestehenden Bude mit Pfefferkuchen. Die Silberquelle bricht aus einer schwarzen Felsspalte hervor, die zierlich mit Vergißmeinnicht und anderen Blumensträußen eingefaßt ist. Eine Frau reicht den Becher mit eiskaltem, kristallhellem Wasser gefüllt.“

   Die Büste von Johann Wolfgang von Goethe mit der Gedenkplatte erinnert an seinen Besuch in den Felsen am 31. August 1790. Die Büste stammt von dem Trautenauer Bildhauer Emil Schwantner und wurde am 10. Juli 1932 durch Baron Nadherny enthüllt.

   Der Große Wasserfall stürzt vom See gespeist 16 m tief in eine Felsenklamm hinab.

   Der See. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ Graf Blümegen den See anstauen. Das angestaute Wasser diente der Flößerei. Im Jahre 1857 wurde der See zu einer touristischen Attraktion, als hier die ersten Boote fuhren.

   Vom See zurückkommend müssen wir demselben Wanderweg folgen, bis wir zur Wegekreuzung am Donnerfelsen gelangen. Von hier aus wandern wir auf dem Ringsweg durch die sog. Neue Partie bis zur Aussicht auf das Liebespaar weiter.

   Die Neue Partie wurde im Jahre 1890 für die Touristen zugänglich gemacht.

   Das Liebespaar (Milenci) ist die höchste und bekannteste Felsgestalt der Adersbacher Felsen. Zwischen den Türmen Liebhaber und Liebste sehen wir ein 10 m hohes Felsenfenster. Die Erstbesteigung dieses bedeutenden Turmes gelang am 18. Juni 1923 den deutschen Kletterern Otto Dietrich, Wilhelm Fiehl und Otto Rülke.

   Von der Aussicht auf das Liebespaar gehen wir die Treppe hinab. Nachdem wir die Wegekreuzung unter dem Köhlerturm erreicht haben, können wir uns nach links wenden und nach ca. 60 m erreichen wir die Felsenkapelle unter der nordwestlichen Wand des Liebespaars.

   Die Gedenkplatte in der Felsenhöhle links über dem Kressenbach erinnert an den tragischen Tod von Josef Emanuel Nadherny-Borutin bei der Besteigung des Liebespaares im Jahre 1929. Die Familie Nadherny besaß das Adersbacher Herrschaftsgut in den Jahren 1828–1945. Unter ihrer Regierung wurden umfangreiche Bautätigkeiten durchgeführt und neue Touristenwege errichtet. Dank diesem Umstand wurde die Felsenstadt zu einem beliebten Reiseziel. Die Namen auf weiteren Metallplatten erinnern an Bergsteiger, die mit Felsenstädten verbunden waren.

   Von der Wegekreuzung unter dem Köhlerturm setzen wir unsere Wanderung auf dem Großen Ringweg fort. Die Markierung führt bergaufwärts – über die Treppe erreichen wir den Aussichtspunkt Großes Panorama.

   Die Aussicht Großes Panorama – links vor uns die glatten Gipfel der Guillotine, hinten das Liebespaar (diesmal von der anderen Seite) und rechts sehen wir den Anfang der Kressenschlucht.

   Vom Aussichtspunkt aus müssen wir jetzt 40 m zurückgehen. Unten gehen wir am schlanken Turm Zuckerkamin vorbei bis zur Aussicht auf den Bürgermeister.

   Die Aussicht auf den Bürgermeister – hier öffnet sich einer von den großartigsten Ausblicken: rechts die Bürgermeisterin (Starostová), in der Mitte der Bürgermeister (Starosta) und links die mächtige Stephanskrone (Štěpánská koruna). Alle drei Türme wurden schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erstiegen.

   Vom Aussichtspunkt gehen wir zuerst die steile Treppe hinab und dann wieder bergaufwärts zwischen den Bürgermeister und die Bürgermeisterin. Wir passieren die schmale Klamm Mausloch und auf dem Wanderweg erreichen wir das Echo.

   Das Echo. Seit 1783 wurde hier zur Freude der Touristen auf Waldhörnern geblasen und Böllerschüsse gezündet. Das Echo der Schüsse kam von der Holsterbergschanze siebenmal zurück.

   Am Echo zeigt unsere Wanderpfadmarkierung nach rechts und führt uns zur Kreuzung am Zuckerhut, wo wir zum Ende des Großen Ringwegs gelangen. Derselbe Wanderweg führt uns zur Eingangskasse zurück.

        Steinbruch in der ehemaligen Sandgrube – um den See (hinter der Kasse am Infozentrum) herum führt ein Touristenweg mit vielen Rastplätzen (1,5 km lang).


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